Heimliche Wanderer – die Rückkehr der Wölfe
Heute beginne ich mit meinem Bericht über die Rückkehr der Wölfe ins Wendland (nord-östliches Niedersachsen).
Ich bin ihnen nah und sehr verbunden. Ich möchte sie schützen und ich will sie besser verstehen. Sie sind für mich die Verbindung zu einer natürlicheren Umwelt und zu längst vergessenen Beziehung zwischen Mensch und Tier. Wolf – Mensch – Hund, diese Beziehungen habe sich seit mindestens 15.000 Jahren entwickelt.
Aber sie werden uns auch Probleme bereiten und sie werden stets gefährdet sein. Desshalb habe ich mich auch zum Wolfsbetreuuer ausbilden lassen und auch darüber werde ich berichten.

20. November 2009
Heimlich kommen sie. Monatelang führen sie ihr verstecktes Leben ganz in unserer Nähe. Doch plötzlich die ersten Hinweise und Spuren, wage noch , aber immer deutlicher werden die Anzeichen – die Wölfe kehren heim.
Sie kommen zurück in ein Land, in dem sie vor über hundert Jahren ausgerottet wurden. Aus dem Bruder Wolf, dem einstigen Jagdgefährten, war der Konkurrent, der Schädling, die Bestie geworden. Die Vernichtung des Großmuttermörders und Rotkäpchenfressers Canis Lupus war der endgültig geglaubte Sieg über das Wilde, den nicht zu kontrollierenden Rest der einstigen Wildnis.
Die Natur war kultiviert und überall im Land wurden die Zeichen dieses historischen Sieges errichtet, Gedenksteine und Gedenkbäume für die letzten ihrer Art in der jeweiligen Region. Bei uns in der Göhrde war es eine Wolfslinde – gepflanzt für den letzten Wolf, der an dieser Stelle, nach langer Hatz, am 11. November 1854, vom Jagdgehilfen Weber mit einem Vorderladergewehr erschossen wurde. Der König schenkte ihm zum Dank für diese kühne Tat eine moderne Repetierbüchse.
In sieben Bundesländern sind inzwischen wieder Wölfe aufgetaucht. Sie kommen aus Polen, aus Italien und aus der Lausitz. Ihre Wege aber sind unerforscht.
Ihre Ankunft hat uns Menschen überrascht, wir waren nicht darauf vorbereitet. Wie paßt ein solch wildes Tier in unsere gepflegte Kulturlandschaft? Werden sie bleiben und Rudel (=Familien) gründen oder werden sie so leise wieder verschwinden wie sie zu uns gekommen sind?

In mittlerweile sieben Bundesländern gibt es gesicherte Wolfsnachweise. In Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Dort leben Rudel wie in Sachsen oder Paare wie in Brandenburg und wahrscheinlich auch schon in Mecklenburg. Außerdem sind in Bayern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen Tiere aufgetaucht. Das weiß man, weil sie geschossen wurden wie im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg und im brandenburgischen Luckau. Weil sie überfahren wurden an der Autobahn wie im holsteinischen Eutin und brandenburgischen Forst. Weil sie Schafe töteten wie im mecklenburgischen Lübtheen. Oder weil sie eindeutig identifiziert wurden wie das überfahrene Tier bei Starnberg in Bayern, nahe München.
Zunächst fühle ich mich geehrt durch die Anwesenheit eines Wolfs in meiner Nachbarschaft. Zeigt es mir doch, das meine Region, unsere Wälder wieder von einer Art als Lebensraum akzeptiert werden, die von uns Menschen gnadenlos verfolgt wurde.

Inzwischen bin ich einer der vom Land Niedersachsen benannten Wolfsberater und werde über meine Aufgaben und die Arbeit vor Ort später berichten.
Die Anschriften der Wolfsberaterinnen & Wolfsberater in Niedersachsen finden sie hier.
Willkommen Wolf!
Kenny Kenner
Am 24. Januar 2010 um 13:59 Uhr
Ich hoffe er kommt, bleibt und vermehrt sich hier!
Platz ist genug hier für Mensch und Wolf und er passt ins Wendland und besonders in die Göhrde!
Viele Grüße, Ulrich
Am 12. Februar 2010 um 19:00 Uhr
Sehr bewundernswert, Deine Arbeit zum Schutz der Wölfe!
Hoffentlich gelingt es Euch – trotz aller Widrigkeiten – dem
Wolf die Rückkehr ins Wendland nachhaltig zu sichern.
Gerade habe ich den Dokumentarfilm “Herr der Wölfe” (ein
Wildbiologe in den Karpaten) mit großem Interesse ange-
schaut. Es berührt mein Herz, zu sehen, wie Mensch und Wolf
friedlich nebeneinander leben!
Und ich habe auch noch nie gehört, dass der Wolf dem Men-
schen gefährlich wurde.
Also, keine Gefahr für den Menschen, ökologische Vorteile
und die Freude, unsere uralten Freunde in unmittelbarer
Nachbarschaft zu wissen, ist auch nicht zu unterschätzen.
Ich bin für den Wolf.
Herzliche Grüße
Bruni